Mit einem sogenannten Verschlimmerungsantrag können Personen, die nach deutschem Recht als behindert oder pflegebedürftig eingestuft sind, um eine Neubewertung der Pflegestufe bzw. des Grades der Behinderung (GdB) ersuchen, wobei zwischen Verschlimmerungsanträgen für behinderte Personen und Verschlimmerungsanträgen für pflegebedürftige Personen zu unterscheiden ist.

Eine als behindert eingestufte Person kann einen Verschlimmerungsantrag (bzw. einem Antrag auf Neubewertung / Nachprüfung) beim jeweils zuständigen Versorgungsamt einreichen, wenn neue medizinische Probleme aufgetreten sind, die durch den behandelnden Arzt als so gravierend eingestuft werden, dass sie eine Erhöhung des Grades der Behinderung und damit auch der entsprechenden Versorgungsansprüche rechtfertigen. Dabei ist zu beachten, dass die entsprechende Verschlimmerung bereits seit mindestens sechs Monaten dauerhaft bestehen muss, bevor ein Verschlimmerungsantrag zugelassen werden kann.

Im Rahmen des Antrags – für den von den Versorgungsämtern elektronische Vordrucke zur Verfügung gestellt werden – sind dann auch die Verschlechterung des Gesundheitszustandes sowie die Indikatoren zu beschreiben, durch welche sich diese Verschlechterung im Alltag des Antragstellers äußert. Damit das Amt die gemachten Angaben überprüfen kann, sind neben dem Hausarzt auch alle behandelnden Fachärzte sowie Krankenhausaufenthalte des Antragstellers für Rückfragen zu benennen.

Neben der Erhöhung des Grades der Behinderung kann mit einem Verschlimmerungsantrag auch die Eintragung bestimmter Merkzeichen in den Personalausweis (wie etwa “G” für erhebliche Gehbehinderung oder “B” für die Notwendigkeit einer ständigen Begleitung) beantragt werden. Ein solcher Antrag wird erfahrungsgemäß innerhalb von vier bis acht Wochen durch das zuständige Versorgungsamt bearbeitet und beschieden. Bei einer Ablehnung steht es dem Antragsteller frei, mit einem Einspruch Akteneinsicht zu beantragen und nach Ablauf eines halben Jahres einen erneuten Antrag zu stellen oder vor dem zuständigen Sozialgericht Klage gegen den Bescheid zu erheben.

Auch im Bereich der ambulanten und stationären Krankenpflege hat sich inzwischen der Begriff des Verschlimmerungsantrags für die Beantragung höherer Pflegestufen eingebürgert. Ein solcher Verschlimmerungsantrag ist an die für den Antragsteller zuständige Krankenkasse zu richten. Er besteht lediglich aus einem formlosen Schreiben, mit dem um die Überprüfung der aktuellen Pflegeeinstufung durch den MDK – den medizinischen Dienst der Krankenkassen – ersucht wird. Eine solche MDK-Prüfung findet erfahrungsgemäß zwischen vier und sechs Wochen nach Antragseingang statt. Das durch den MDK erstellte Gutachten dient anschließend wiederum der Krankenkasse als Grundlage für die Ablehnung oder Genehmigung einer höheren Pflegestufe, womit die Gesamtbearbeitungszeit länger ausfällt. Auch hier kann im Falle einer Ablehnung Widerspruch eingelegt und um eine schriftliche Begründung ersucht werden. In einem solchen Fall findet vier bis sechs Wochen nach Eingang des Widerspruchs eine sogenannte Zweitbegutachtung durch einen anderen MDK-Prüfer statt, der das Ergebnis des ersten Gutachtens entweder bestätigen oder verwerfen kann.

Antrag herunterladen: Verschlimmerungsantrag für pflegebedürftige Personen (mit freundlicher Genehmigung des Pflegedienst Lie)
Antrag herunterladen: Verschlimmerungsantrag für behinderte Personen (folgt in Kürze)